Santiano – Beer Garden Stage, 12:00-13:00 Uhr:
Beim Schlendern über das weitläufige Gelände kann ich zwischendurch immer mal wiederSantiano beobachten, welche auf einen von den neun Bühnen (viel zu viele!) täglich auftreten und mich vollends überzeugen, dass die Musik nicht nur auf Platte, sondern auch live unerträglicher, inhaltsleerer Mist ist, weshalb ich summa summarum vielleicht 3-4 Lieder sehe, obwohl ich vom Pech verfolgt war und die „Musiker“ immer dann spielten, wenn ich gerade unterwegs war. Schneller kann ich leider nicht weglaufen.
Hammerfall – True Metal Stage, 19:45-20:45 Uhr:
Nach sehr kurzer Pause, erscheint die Band Hammerfall auf der True Metal Stage des Wacken Open Airs. Eingeleitet wird das Spektakel um den Sänger Joachim Cans durch das Intro des Albums Infected, welches im Mai 2011 den Fans der Band vorgestellt wurde. Es folgen unter anderem die Songs: Heading The Call, Steel Meets Steel, Last Man Standing und der Klassiker Let The Hammer Fall. Durch die eingängigen Texte und Riffs schaffen es die fünf Schweden immer wieder, das Publikum zum Mitsingen zu animieren.
So erzeugen Hammerfall ein sehr stimmiges Bild, was meiner Meinung nach auch als Headliner des Abends überzeugt hätte. Einzig können die immer wieder auftauchenden Crowdsurfer meine Meinung zu dem echt genialen Auftritt mindern, denn aufgrund der Wetterlage ist dann nicht nur ein Fan auf der Masse unterwegs, sondern auch eine gut gefüllte Matschpfütze, die auf die gute alte Wacken-Manier unter den Stiefeln klebt wie flüssiger Teer. Als Abschluss des circa 58 minütigen Auftritts darf jeder Fan Hammerfalls beim Song Hearts On Fire mit Textsicherheit punkten.
Begleitet wird das Sextett vom Czech National Symphonic Orchestra sowie einem Chor. Die Bühnenshow ist gewaltig und die geballte Kraft der Band in Verbindung mit dem Chor und dem Orchester löst eine Gänsehautwelle nach der anderen aus. Vier Stücke werden sogar allein von Chor und Orchester performt - für Dimmu Borgir die Möglichkeit, zwischendurch neue Energie zu sammeln. Auch wer für die Norweger nichts übrig hat, kommt an dem Spektakel nicht ohne Staunen vorbei. Ganze eineinhalb Stunden dauert das Schauspiel an und es ist wirklich einfach nur empfehlenswert – für Fans jeglicher Musik.
In Flames – True Metal Stage, 22:45-00:15 Uhr:
Wir kommen beim Highlight des heutigen Freitags an: In Flames! Eineinhalb Stunden Spielzeit und den Titel „Headliner des Tages“ kommen den schwedischen Melodic Death Metallern schon mal zu Gute, doch das soll bei Weitem nicht das Beste des heutigen Abends sein. Allein das Intro macht diesen Auftritt schon sehenswert, denn man sieht nur eine Stoffleinwand und ein Baugerüst, was dahinter steht, während Jester’s Door als Intro die Show einleitet.
"In Flames - True Metal Stage - Bild 1"
Doch auf einmal fällt dieses Gerüst Stück für Stück zusammen und man merkt so langsam, dass das keine normale Darbietung ist, sondern eine Beamer-Show die Performance der Göteburger unterstützt. Los geht es nun mit dem altbekannten Klassiker Cloud Connected, gefolgt von Trigger und spätestens jetzt ist das Publikum voll dabei, während In Flames in Hemd und Weste auf der Bühne ihr Bestes geben. Die Songs Only For The Weak, Reroute To Remain und Crawl Through Knives verstärken das Gefühl, dass dieses Konzert eher eine Best-Of-Show ist, als ein Promotion-Auftritt für das neueste Werk, Sounds Of A Playground Fading.
"In Flames - True Metal Stage - Bild 2"
The Quiet Place und Chosen Pessimist sorgen für einen kurzen Stimmungswechsel und liefern die wohlverdiente Verschnaufpause, die man nach der langen Zeit des Haareschüttelns auch braucht. Lange soll die Ruhe jedoch nicht anhalten, den weiter geht es mit Fear Is The Weakness, Alias und meinem Wunschsong Mirror’s Truth, da dieser auf dem Devil Side Festival nicht gespielt wurde. Gerade bei schnelleren Liedern wie diesem nimmt einem die Pyro-Show wirklich den Atem und es wird immer spektakulärer, was In Flames da abliefern. Auch die Beamer-Show ist mit einigen optischen Täuschungen sehr faszinierend, doch kaum von jemandem in den hinteren Reihen zu sehen.
"In Flames - True Metal Stage - Bild 3"
Um dem ganzen Trubel, der nun mal nach Konzertende herrscht, zu entgehen, bewegen uns bereits jetzt Richtung Campground. Während wir also über den Plaza und den Campground schlendern, hören wir die Jubelschreie zu zwei der bekanntesten In Flames-Songs: Take This Life und My Sweet Shadow. Mit anderen Worten ist das Publikum am Siedepunkt angekommen und feiert und verabschiedet die Band gebührend nach diesem überaus genialen und spektakulären Auftritt, der die Show beim Devil Side Festival locker in die Tasche steckt.
Gamma Ray & Axel Rudi Pell – True Metal Stage, 13:00-13:45 Uhr & 15:00-16:00 Uhr:
Während wir im Camp die Ruhe vor dem Sturm genießen, uns um Körperpflege und Nahrung kümmern und auf unsere ersten Highlights warten, laufen bereits zwei deutsche Bands auf Hochtouren: Kai Hansen mit Gamma Ray gefolgt von Axel Rudi Pell mit seiner Truppe.
"Axel Rudi Pell - True Metal Stage - Bild 1"
Wir sind zwar nicht vor der Bühne, doch der Sound wird unglaublich klar von den Hauptbühnen herangetragen, sodass man doch Einiges mitbekommt, wie zum Beispiel Heaven Can Wait oder die beiden Helloween-Klassiker I Want Out und Ride The Sky. Die Stimmung des Publikums zu dieser frühen Tageszeit kann man leider nicht hören, doch ich bin mir sicher, dass spätestens beim Publikumsliebling I Want Out mitgegrölt wurde bis zum geht nicht mehr.
"Axel Rudi Pell - True Metal Stage - Bild 2"
Axel Rudi Pell zeigen sich wiederum mit einigen neueren Stücken vom Cirle Of The Oath-Album. Aus der Ferne klingen die Lieder Ghost In The Black und Before I Die sehr überzeugend, worauf ein Medley aus drei älteren Songs folgt: The Masquerade Ball, Casbah und Dreaming Dead. Der Titelsong des Albums muss natürlich auch noch gespielt werden, bevor ein weiteres kurzes Medley das Konzert der Hardrock-Urgesteine beendet. Alles in Allem ein hörenswerter Auftritt, zu dem man nicht die Bühne besichtigen muss.
Napalm Death – Black Stage, 14:00-14:45 Uhr: Napalm Death tun wieder einmal alles dafür, ihren Ruf als Death Metal/Grindcore-Legende zu stärken: Die Jungs bolzen mit einer Intensität durchs Feld, dass, wenn es Grashalme geben würde, diese spätestens bei diesem Auftritt das Weite gesucht hätten. Spätestens jetzt zahlte sich aus, dass Wacken wahnsinnig viel Geld mit diesem Festival verdient: Der Sound ist bombastisch! Auch die Bühnenpräsenz stimmt, sodass kein Fan enttäuscht wurde.
Six Feet Under – Black Stage, 16:15-17:15 Uhr:
Endlich ist es soweit: Chris Barns, der Mann, der maßgeblich an der Erfolgsgeschichte des Death Metals beteiligt war, tritt mit einer quasi neuen Band auf: Ein Gitarrist ist ihm geblieben, ansonsten ist die Band rundum neubesetzt. Im Gegensatz zu der zweifelhaften Geschichte von Sabaton sind die Mitglieder freiwillig gegangen und Hand aufs Herz: Für die Fans könnte es besser nicht sein, denn vor allem der Schlagzeuger ist mindestens drei Klassen besser. Das neue Album rockt wesentlich mehr als die Vorgänger und live kann man dann auch mit eigenen Augen begutachten, was der Wechsel bedeutete: Hammer Smashed Face! Live! Mit vielen Spitzfindigkeiten, die Cannibal Corpse nicht zu bieten hat, klingt diese Version tausend Mal geiler. Liegt wohl auch daran, dass das Lied von Chris Barns damals geschaffen wurde. Ansonsten gibt es einen bunten Mix durch die Discographie mit dem obligatorischen TNT, das selbst die Bierverkäufer zum Mitgrölen veranlasst. Mehr Ehre für eine Band kann es einfach nicht geben!
Testament - True Metal Stage, 17:30-18:30 Uhr:
Viel Wirbel gab es um das neue Album der Urgesteine Testament. Da während der Festivalsaison in der Regel eh nicht viel neues Material von bekannteren Bands veröffentlicht wird, erhielt das Album eine Menge Aufmerksamkeit, für meinen Geschmack etwas zu viel.
"Testament - True Metal Stage"
Als Testament die Bühne betreten und die ersten Töne erklingen, bin ich schwer überrascht: Wieso klingt die Band nicht auf der neusten Scheibe so? Ist mir das neuste Album zu glatt, erhalten die Lieder live die so sehnlich vermisste raue Seite, die mich an meine Anfangstage zurückerinnern lässt. 2006 war ich ein riesiger Slipknot-Fan und konnte es kaum erwarten, diese Band live zu sehen. Zwischen dem Kartenkauf und dem Konzert lag die Veröffentlichung von Vol.3, dem Paradebeispiel einer glattgebügelten Produktion. Die Vorfreude raste auf den Nullpunkt zu, zu Unrecht, wie ich dann glücklicherweise feststellen durfte, da die Lieder damals (noch) im Stil der ersten beiden Scheiben live vorgeführt wurden. Genau das passiert mit Testament: Auf Platte "okay", live "hey!". Sollte eine neue Live-CD veröffentlicht werden, bin ich einer der Ersten, die diese kaufen würde!
Ingrimm – Wackinger Stage, 19:00-19:45 Uhr:
Ein weiterer Ausflug zur Wackinger Stage steht an und dieses Mal sind die Regensburger Folk-Metaler von Ingrimm mit ihrem Auftritt dran. Drei Alben wurden bereits herausgegeben und somit gibt es genug Material, wie zum Beispiel der Song Tagedieb, der auch für das erste Video der Band bekannt ist. Doch lange hält es mich nicht an der Bühne, da es durch den Versuch, die Hauptbühnen im Bereich um die Wackinger Stage zu übertönen, doch ein wenig zu laut wird. Dennoch liefern Ingrimm einen starken Auftritt ab und versuchen stets, das Publikum zu animieren.
Cradle Of Filth – Black Stage, 18:45-19:45 Uhr:
Da es leider nicht möglich ist, an jeder Stelle zur selben Zeit zu sein, fällt die Berichterstattung nur relativ kurz zur genialen Band um Dani Filth aus, denn das, was ich noch mitbekommen habe, war ein irgendwie sehr agil wirkender Dani Filth der stimmtechnisch wieder auf alten Höhen zu sein scheint. Dass für die Band Cradle Of Filth ein Auftritt von einer Stunde eindeutig zu wenig ist, dürfte jeder Fan der sechs Engländer ganz klar bejahen. Doch hat die Band mit ihrer Setlist eindeutig ins Schwarze geschossen.
"Cradle Of Filth - Black Stage"
Neben meinem Favoriten Her Ghost In The Fog bekommen die Fans auch Nymphetamine, The Forest Whispers My Name und als Abschluss From the Cradle to Enslave von der Wiege des Drecks auf die Ohren - jetzt macht es Sinn, sie haben den ganzen Schlamm zu verantworten.
Dark Funeral – Party Stage, 18:45-19:45 Uhr:
Was haben Dark Funeral, Ingrimm, Moonspell und Cradle Of Filth gemeinsam? Musikalisch nicht allzu viel, aber sie beweisen eines: Neun Bühnen sind zu viel. Die vier genannten Bands spielen entweder gleichzeitig oder überschneiden sich derbe. Ich würde gerne alle vier sehen, was aber nicht machbar ist, zumal Cradle Of Filth und Dark Funeral direkt nebeneinander spielen. Die Wahl fällt dann nicht wirklich schwer, ist Dark Funeral doch die einzige „pure“ Black Metal-Band des Festivals und bietet einen neuen Sänger, den ich heute zum ersten Mal höre: Emperor Magus Caligula hat die Band nach 14 Jahren verlassen und hinterließ 2011 ein derbes Loch, war seine Stimme doch unverkennbar und machte einen großen Reiz der Musik aus.
"Wacken Open Air 2012 - Panorama Partystage"
Der neue Frontmann ist Nachtgarm, vor allem bekannt als Sänger von Negator. Ist es eine gute Idee, auf einen bereits sehr aktiven Sänger zu setzen? Zumal Schweden, Heimatort Dark Funerals und Deutschland, Nachtgarms Herberge, nicht direkt nebeneinander liegen.
Schon nach dem ersten Lied ist klar: Nachtgarm ist bei Negator gut, bei Dark Funeral aber besser! Eine Art Best Of quer durch die Discographie folgt und beweist, dass die alten Lieder unter neuer Führung wunderbar funktionieren, der Klang ist, typisch für Black Metal, ohne Ohrstöpsel kaum erträglich, aber herrlich roh. Zwischen den Liedern nimmt sich die Band immer ein wenig Zeit, ambientlastige Konserven-Brücken zwischen den Liedern zu bauen, was im Kontrast zur sonstigen Hochgeschwindigkeit steht und den Auftritt abrundet. Nach Vobiscum Satanas ist allerdings für mich schon Schluss, da Moonspell rufen, was einem Kulturschock gleichkommt. Die dreißig Minuten, die ich gesehen habe, gehörten mit zu den stärksten, die ich dieses Jahr in Wacken erlebt habe, umso schmerzvoller der Abgang.
Moonspell – W.E.T Stage, 19:15-19:55 Uhr:
Wieso? Weshalb? Warum? Diese Fragen stelle ich mir, nachdem ich einen Sprint von Dark Funeral (Party Stage, welch Ironie) zum Zelt hingelegt habe und Moonspell gerade den begonnen hatten zu spielen. Die Quasi-Volkshelden Portugals verfolge ich seit The Antidote von 2003 und freue mich, sie endlich live sehen zu können. Doch halt, irgendetwas stimmt nicht: Die kleine Bühne ist gerammelt voll, zwölf Leute zähle ich, ohne Gewähr, der Schlagzeuger ist hinter einer Plexiglaswand verbunkert. Erinnerungen an die Christuskirche in Bochum werden wach, wo Empyrium und Dornenreich Akustiksets spielten und siehe da - Moonspell tun es ihnen gleich! Etwas irritiert schaue ich auf die Running Order, um zu gucken, ob ich unfähig zu lesen bin und muss feststellen, dass Moonspell im Gegensatz zu Dimmu Borgir oder Sepultura nicht speziell gekennzeichnet sind. Ein Medaillengefühl packt mich: Auf der einen Seite hätte ich gern die volle, metallische Kraft Moonspells erlebt, auf der anderen Seite weiß ich, dass Akustikauftritte richtig gut sein können, kann mir das bei Moonspell auch nur schwerlich vorstellen, da die Musik vor allem von den intensiven Wechseln zwischen harten und weicheren Parts lebt.
"Wacken Open Air 2012 - W.E.T Stage - Schlamm"
Aber Volkshelden können scheinbar auf solche Elemente verzichten: Der Auftritt ist der Wahnsinn und genau, was ich brauche. Nach dem Geballer von Dark Funeral und dem noch folgenden Kalibern von Amon Amarth und Nasum tut diese Abwechslung gut. Fernando Ribeiros Gesang klingt mit dieser Besetzung, die auch Hintergrundsänger mit sich bringt, einfach genial. Auf seine Schreistimme verzichtet er glücklicherweise nicht, sodass er sein komplettes Repertoire ausreizen kann, was natürlich im Kontrast zu den Streichern steht, ohne ins Absurde abzudriften. Man hätte diesen Auftritt viel größer bewerben und die Band auf die großen Bühnen verfrachten und nicht parallel zu anderen bekannten Bands spielen lassen MÜSSEN! Schade für die Band, die sich daraus aber nichts macht und trotzdem in einem gut gefülltem Zelt spielt und Leistung auf Headlinerniveau liefert. Mit der richtigen Werbung könnten Moonspell in zwei oder drei Jahren eine gesunde Alternative zu der aktuell etwas zu sehr beschränkten Headlinerauswahl der Festivals allgemein sein, vor allem, wenn das Set erweitert werden würde und auch elektronisch verstärkte Gitarren manchmal, aber nicht immer, zum Einsatz kämen. Wünschen kann ich es der Band nur!
Sylosis – Headbanger Stage, 20:00-20:35 Uhr:
Während gerade die schwedische Band Amon Amarth die Black Stage unsicher macht, verschlägt es Kamikatze und mich ins Bullhead City Circus-Zelt, denn die britische Band Sylosis hat einen Slot auf der Headbanger Stage des diesjährigen Wacken Open Airs ergattern können.
"Bullhead City Circus - Bild 3"
Leider merkt man der Menge der Fans an, dass gerade Amon Amarth spielt, denn aktuell stehen vielleicht 300 Leute vor der Bühne, die min. das Zehnfache hätte verkraften können. Aber umso besser ist es, dass die "paar" Leute, die hier auf Sylosis warten, auch echte Fans der Band sind und neben Textsicherheit auch einen extremen Aktionismus mitgebracht haben. Gerade ist das Intro gespielt, fängt der erste Circle Pit hinter uns an und uns kommt es fast so vor, als ob die Länge des Circle Pits abhängig von der Uhrzeit wird, denn es folgt ein Pit nach dem anderen.
Man kann zu Sylosis nur Positives vermelden, denn die Band schafft es trotz der relativ geringen Anzahl an Zuschauern, noch zu überzeugen. Die Akustik ist bei Weitem besser als noch bei Unearth oder Chthonic, die am Tag zuvor dieselbe Anlage bespielt haben.
Nebenbei ist noch zu erwähnen, dass die Security hier echt vorbildlich und vorausschauend arbeitet, denn selbst zu dem Zeitpunkt, als eine Frau in der achten Reihe einen Schwächeanfall erleidet, schafft es die Security, diese aus der Menge herauszupicken. Ebenso gut finden wir die Reaktion bei einem Fan, der plötzlich auf Krawall gebürstet war - packen und raus! So muss das sein!
Amon Amarth – True Metal Stage, 20:00-21:15 Uhr: Amon Amarth sind aktuell auf dem Hoch ihrer Karriere, sie einzuladen bedeutet immer automatisch ein volles Haus. Das ist vor allem dem neusten Album geschuldet, dass das bisher eingängigste der Jungs ist. Außerdem merkt man, dass die Lieder wie irre geprobt werden, ich habe vor einigen Monaten gelesen, dass bei den regelmäßigen Bandproben immer zwei (!) Sets durchgespielt werden. Dadurch spielt die Band natürlich ungeheuer sicher und schafft es, sich nicht anmerken zu lassen, dass sie die Lieder zum sicherlich eintausenddreihundertundsiebenundfünfzigsten Mal spielen.
"Amon Amarth - True Metal Stage"
Die Zuschauer dürfen sich nach dem Opener War Of The Gods, der auch der Opener der aktuellen Scheibe ist, über Runes To My Memory, welches auf With Oden On Our Side ebenfalls an zweiter Stelle steht freuen, welches mein persönliches Favoritenlied ist. Als drittes Lied folgt das sich auf Surtur Rising ebenfalls an dritter Stelle befindliche Destroyer Of The Universe, das bei mir wie immer zu einem Ohrwurm führt. Death In Fire bricht mit dieser Chronologie, es folgen noch sechs weitere Lieder, bevor die berühmt-berüchtigten Zugaben Twilight Of The Thunder God und Guardians Of Asgaard folgen. Ein wirklich solider Auftritt mit dem obligatorischem Spruch, dass man bei Death Metal eh nichts vom Gesang versteht (beim ersten Mal fand ich den sogar ganz lustig…), aber bis zur nächsten Platte werde ich Amon Amarth ausweichen, die Auftritte verlaufen mir zu ähnlich. Wer die Band zuvor noch nicht live erleben durfte, kommt aber definitiv auf seine Kosten!
Nasum – W.E.T Stage, 20:40-21:15 Uhr:
Totgeglaubte leben länger: Kennt die Jungs eigentlich noch irgendwer? Nach dem tragischen Tod von Mieszko Talarczyk im Jahre 2004 habe ich die Band ein paar Jahre später innerlich zu Grabe getragen. Und was sehe ich bei der Durchforstung der Running Order? Nasum! Extra für ihr (theoretisches) zwanzigjähriges Jubiläum werden ein paar Auftritte gespielt. Ich gehe mit der Erinnerung an den Lifelover-Auftritt in Essen zu der Show, die damals genutzt wurde, um den Tod des musikalischen Kopfes zu würdigen. Dabei wurde komplett auf Material von Lifelover verzichtet und ich habe mich mehr als auf einer Beerdigung eines Unbekannten gelangweilt. Nasum machen es richtig: Sie liefern die energiegeladenste Show des gesamten Festivals! Wer vorne stehen will, kann dies ohne Probleme machen, da das Zelt verhältnismäßig leer ist. Grindcore war eben noch nie ein Publikumsmagnet. Dafür stehen dann auch nur Leute vorne, die die Band auch wirklich sehen wollen, was die Stimmung beflügelt. Trotz einer riesigen Schlammpfütze vor der Bühne gibt es viel Bewegung, die Fans feiern den Abschied der Band mit viel Enthusiasmus und der Sänger springt sogar zweimal von der Bühne auf die Boxen, die direkt auf dem Boden vor dem Gitter stehen, was sehr cool rüberkommt. Nach dem Auftritt tritt Wehmut ein: Das Wissen, dass man die Jungs in der Konstellation nicht mehr sehen wird, strebt der Freude über das gerade Gesehene entgegen und hinterlässt ein schizophrenes Gefühl. Macht‘s gut, Nasum, es war eine geile Zeit mit euch!
Russkaja – Wackinger Stage, 21:30-22:15 Uhr:
Als ich nach dem Auftritt von Amon Amarth so über den Wacken Plaza schlendere, sehe ich zwei Dinge: Eine pechschwarze Wolkenfront, die genau in Richtung Gelände zieht und die Band Russkaja auf der Wackinger Stage. Beides gibt mir Grund für die gleiche Sache: Schnaps trinken! Wenigstens ein Schluck „Pech“ muss herhalten, um Mut für das kommende Unwetter zu sammeln, während man der Ska-Musik der österreichischen Kombi lauscht. Doch lange bleiben kann ich nicht, denn diese Wolkenfront wird sich noch als ein Fast-Weltuntergang zeigen.
Machine Head – True Metal Stage, 23:15-00:30 Uhr:
"Hey, willst du mit nach Wacken?" "Wer spielt denn?" "Volbeat, Scorpions, Ministry, Machine Head..." "Machine Head? ENDLICH! Sowas von dabei!" Machine Head waren mit The Blackening zum ersten Mal seit dem Lied Davidian wieder richtig gut, mit Unto The Locust konnte die Band sich selbst noch einmal übertrumpfen. Ich liebe diese Scheibe einfach. Umso erfreuter war ich über die Information, dass die Band diese Platte ebenfalls liebt und davon viel live spielt.
"Wacken 2012 - Wall Of Death?"
Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Gut eine Stunde vor Beginn des Auftrittes ziehen schwarze Wolken auf, ein riesiges Gewitter sollte der traurige Tiefpunkt des Wetters sein, ausgerechnet zu dem von mir am meisten erwarteten Auftritt. "Kein Problem, das bisschen Wasser ertrag ich schon", denk ich mir als der Sturm beginnt. 5 Minuten später muss ich meine Meinung revidieren: Unser Pavillon will einen Abgang machen, ebenso mein Zelt und mit diesen Geschehnissen auch die Hoffnung, Machine Head live zu SEHEN.
"Wacken Open Air 2012 - Panorama"
Zumindest hören ist drin: Zeltplatz H + eine perfekte Windrichtung machen es möglich. Ganze 10 Lieder zähle ich, was eine ganze Menge ist, wenn man an die durchschnittliche Lieddauer denkt: Mein Lieblingslied Beautiful Morning fehlte zwar, dafür gab‘s alle Hits der Band: Locust, Darkness Within, I Am Hell, Halo und das vorhin schon erwähnte Davidian waren mit von der Partie und dürften gewitterresistente Fans in Ekstase versetzt haben. Mir persönlich gefällt der Auftritt sehr gut, auch ohne Optik.
Edguy – Ture Metal Stage, 02:00-03:00 Uhr:
Nach der apokalyptisch wirkenden Wolke vor ca. vier Stunden und dem Wolkenbruch, den sie mit sich brachte, ist jetzt Zeit für den Surprise Act. Wie jedes Jahr wird ein Act nicht bekanntgegeben und dieses Jahr hat die Kombo um Mastermind Tobias Sammet die Ehre.
Als "Late Night-Act" spielen die fünf Musiker aus Fulda als letzter heute im zwei Uhr-Slot des Festivals.
Ich glaube, wir haben auf dem gesamten Festival keine Setlist gehört, die besser gemischt war. So greift Edguy fast jedes Album für ein Lied ab. Neben Tears of a Mandrake vom 2001 erschienenen Album Mandrake, Lavatory Lovemashine des Hellfire Club-Albums, Superheroes von 2006 oder dem Song Babylon vom Theater of Salvation-Album, sorgen die Stücke Robin Hood und Nobody's Hero vom letzten Album Age Of The Joker (Review: Hier) für eine gekonnte Abwechslung. Wie von Edguy gewöhnt, schaffen sie es, das Publikum komplett mitzureißen - ein perfektes Abschlusskonzert für das diesjährige Wacken Open Air.
Abreise Teil 1 – Die nächtlichen Flüchtlinge:
Da das Wetter dieses Jahr leider nicht so wirklich mit den Metalern war, fällt die Entscheidung für die Rückreise für einige Metalheads recht früh aus. So finden wir am Samstagabend bereits einige große Lücken im Campground wieder. Hin und wieder bestimmt ein im Schlamm steckendes Fahrzeug das Bild der Hauptwege und aktuell ist nicht viel vom Abreisestau zu merken.
Die letzten Eindrücke und die Abreise:
Nach dem letzten Konzert am Vorabend (Edguy), erblicken wir am Sonntagmorgen (ca. 8:00 Uhr) einen Campground, der mich ein wenig an zwei Schweizer Spezialitäten erinnert. Erstens an Schweizer Käse (weil mehr als 50% der Leute bereits über Nacht abgereist zu sein scheinen und somit viele Löcher hinterlassen haben) und zweitens an Schokoladenfondue, denn der Weg, der gestern noch einigermaßen passierbar wirkte, ist jetzt mit einer circa zehn Zentimeter dicken und schokoladenbraunen Schlammschicht bedeckt. Aber trotz aller böser Vorahnungen schaffen wir es wirklich ohne großen Probleme, den Campground zu verlassen und finden uns relativ schnell auf einer befestigten Straße wieder. Jetzt trennen uns nur noch eine Polizeikontrolle, ein Tankstellenbesuch und ein Halt bei einem Fastfoodrestaurant unseres Vertrauens von unserem zu Hause. Aber ihr wisst ja, für uns gilt es wie jedes Jahr: Nach dem Wacken ist vor dem Wacken!
Abschließende Bemerkungen & Fazit:
Was lässt sich also noch hinzufügen? Zu den 10.000 Leuten, die hinter und vor den Kulissen gearbeitet haben, kann man an sich nicht viel sagen, außer dass sie einen hervorragenden Job gemacht haben und das Festival durch die Techniker, Verkäufer, Security, Sanitäter, Organisatoren, Bands, das Sanitärpersonal usw. erst zu dem geworden ist, was sich Wacken Open Air schimpft.
"Wacken 2012 - Nr. 1594"
Lediglich das Preis/Leistungs-Verhältnis der Fressbuden ist stellenweise unter aller Sau, sodass man mit 4,50 € für ein nach nichts schmeckendes Stück Pizza, was nicht satt macht, doch eher schlecht dabei ist. Ebenso sind 2,50 € für 200ml Kaffee einfach unverschämt, während 0,50 € für unbelegte Brötchen doch ganz in Ordnung ist. Aber das ist natürlich nicht an allen Ständen so und wenn man weiß wo, wird man auch für kleines Geld satt. Leider müssen wir auch die Security ein wenig kritisieren: Sie haben zwar einen tollen Job gemacht und selbst eine Nagelfeile, die kleiner als ein Zeigefinger ist, gilt schon als No-Go(Respekt davor!), aber so unfreundliches Personal hat man doch selten erlebt und für etwas angebrüllt zu werden, was man weder gesagt, noch getan hat, ist schon sehr doof und versaut einem die Stimmung unmittelbar vor einem Konzert. Aber auch hier gibt es natürlich Ausnahmen und man kann durchaus nachfragen, ob ein Security nicht eben ein Bild von uns machen kann, und schwupp, alles klappt super. Wie sagt man so schön: in jeder Familie gibt es mindestens ein schwarzes Schaf.
Das wohl Lächerlichste am ganzen Festival kommt aber erst noch: Der Werbepartner und sein Duschgel! Wer liest schon die Hinweise, die auf einer kleinen Shampoo-Flasche stehen? Niemand, richtig, aber man sollte dies tun, wenn dort doch geschrieben steht, dass es für Gesicht und Intimbereich ungeeignet ist, mit einem großen „ACHTUNG“ darüber. Das ist nicht nur peinlich, sondern gefährlich, da man das Label auf der Tube erst aufklappen muss, was man, wenn überhaupt, aus Zufall oder aus Langeweile macht, meistens aber erst dann, wenn es bereits zu spät ist. Sowas darf eigentlich nicht passieren und die Leute, die im Nachhinein ein Gefühl des Juckens im Schritt hatten, sollten sich definitiv beim Werbepartner des Festivals beklagen.
Die Sanitäranlagen wiederum waren stets sauber und nur am frühen Vormittag war es problematisch, auf die Toilette zu kommen, da offenbar alle zwischen 8:00 Uhr und 12:00 Uhr auf Klo mussten. Außerhalb dieser Stoßzeit war es aber zu keinem Zeitpunkt problematisch, sein Geschäft zu verrichten und der Körperpflege nachzukommen. Die Dixies braucht man dagegen eigentlich nicht zu erwähnen, da wohl bekannt sein sollte, dass ein Dixie-Klo mit jedem Tag schlimmer aussieht und noch viel schlimmer stinkt.
Wir fassen also zusammen: Das Wacken Open Air ist ein Festival wie kein anderes und entweder man fühlt sich wie zu Hause oder man gehört dort nicht hin. Hier kann jeder mit jedem reden und mit den richtigen Leuten ist selbst die dunkelste Wolke der Apokalypse ein grosser Spass. Das Personal war zum grössten Teil hilfsbereit und freundlich und die Technik immer auf höchstem Niveau und selbst wenn mal ein Fehler passierte, wurde dieser innerhalb von Sekunden ausgebügelt. Und selbst auf unserem Campingplatz war der Lärm immer auf einem ertragbaren Level, sodass man mit oder ohne Oropax erstaunlich gut und lange schlafen konnte. Wenn man nicht gerade zur morgentlichen Stosszeit auf den Pott musste, war auch die Sanitäranlage einen Besuch wert, da Sauberkeit dort stets regierte. Zu kritisieren gibt es somit wenig und die Ausnahmen wurden bereits oben erwähnt, wer aber noch mehr zu loben oder zu kritisieren hat, soll doch bitte an der jährlichen Umfrage vom Veranstalter teilnehmen.
Abschliessend möchten wir den gut 10.000 Leuten danken, die hinter diesem Festival standen, sowie den 75.000 Besuchern, die das Wacken Open Air zu dem gemacht haben, was es ist. Unter diesen 75.000 Menschen sind noch ein paar besodnere, denen unser Dank gehört: Unsere Zeltnachbarn, darunter Geburtstagskind Patrick, für die tollen abendlichen Stunden, Spontangast Yvonne für die tolle Zeit und den Humor, sowie Toni Gunner von Mondkringel Photography für ihre phantastischen Bilder. Dann darf ein Dank an unseren Partner Qorn (http://www.qorn.de) nicht fehlen, der uns mit massig Material unterstützt hat und wer bei jeder Danksagung zu kurz kommt, ist eindeutig das riesige Team, welches für das reinigen der Toiletten zuständig war! Ihr macht einen harten Job, danke euch für die meist sauberen Toiletten! Bleibt so wie ihr seid, denn wir kommen nächstes Jahr wieder und ihr!?
Fazit von Maddin: "Veni Vidi Violini - Ich kam, sah und vergeigte." Trotz des Regens war die Organisation durchdacht und gut. Zu den Bands kann ich leider nichts sagen. Aber ich kann nun aus erster Hand sagen, dass die medizinische Betreuung vor Ort gut ist.
Fazit der Polizei:
Die Veranstaltungskriminalität reduzierte sich im Vergleich zu den Vorjahren. Das Wacken Open Air ist ein insgesamt sicheres Festival, weil Polizei, Ordnungsdienst des Veranstalters, Sanitätsdienst, Rettung, Feuerwehr und andere beteiligte Behörden und Dienststellen kooperativ zusammen arbeiten. Kurzum: Die Sicherheit in Wacken zieht an einem Strang.
Straftaten: Rund 430 Straftaten (davon etwas 100 Taschendiebstähle, 200 Diebstähle aus Zelten; 1 Raub sowie Ticketfälschungen und sonstige Delikte; rund 60 BTM-Delikte im Straßenverkehr; rund 100 Gramm sichergestellter Drogen und 3 Festnahmen
Fazit der Feuerwehr:
"Das auf dem Veranstaltungsgelände aufgestellte Großzelt mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Personen machte einer höhere Kräftezahl erforderlich", erklärte Matthias Venor (Wehrführer Wacken). Eingesetzt waren die Kräfte der Feuerwehr (Frauen und Männer) 103 Mal - in erster Linie waren Kleinfeuer auf der Fläche zu löschen; aber auch ein Gasgrill, der in Flammen stand und die von den Betreibern nicht gelöscht werden konnten. Matthias Venor: "Beteiligt haben wir uns auch am Abpumpen von nassen Flächen im Infield, damit die Veranstaltung weiter gehen konnte." Insgesamt sei Wacken 2012 für die Feuerwehr ruhig gewesen. "Das lag an der Wetterlage." Venor bedankte sich für die gute Zusammenarbeit unter den BOS-Kräften (BOS = Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben). Kontakt: Matthias Venor - 0172/8631067).
"Wacken 2012 - Redakteure vor Ort (v.l.n.r: Gordon, ric1452, KamiKatze, CyR4S, Piety)"